Keine Angst vor der Bohrmaschine - richtig bohren ganz einfach

Eine Bohrmaschine in die Hand zu nehmen hat schon etwas Erhabenes. Damit dann allerdings auch wohl überlegt und erhaben zu arbeiten ist noch einmal eine ganz neue Herausforderung. Als Selberbauer wollen wir uns dieser natürlich stellen. Und so soll unser heutiger Artikel darüber berichten, wie du mit der Bohrmaschine richtig umgehst. Denn eines brauchst du mit Sicherheit nicht zu haben: Angst! Schließlich bist du der- oder diejenige, die das Gerät bedient und die Einstellungen daran vornimmt.

Am Anfang war da nur ein Gedanke!

Die Bohrmaschine kommt eigentlich immer dann zum Einsatz, wenn das Baumaterial die menschlichen Kräfte so herausfordert, dass Schäden entstehen könnten. Klassischer Weise ist das vor allem bei der wohl bekannten Betonwand im eigenen Haus oder der Wohnung der Fall. Hier gibt es nichts was in die Wand eindringt ohne vorher den Weg durch einen Bohrer geebnet bekommen zu haben. Das kennt wahrscheinlich jeder von uns. Den Bohrer allerdings auch bei der Möbelmontage in die Hand zu nehmen ist dann doch etwas Neues. Wirklich?

Eigentlich nicht, denn wir verarbeiten heutzutage doch sehr viele verschiedene Holzarten. Dort gibt es vor allem harte und weiche Hölzer. Diese lassen sich entsprechend dieser Kategorisierung verarbeiten. Während wir im Möbelbau besonders mit weichen Hölzern wie der Lärche oder Fichte zu tun haben, gibt es aber natürlich auch hier andere Beispiele. Kirschbaum, Ahorn oder Doussie sind Hölzer die als sehr hart gelten. Sind sie deswegen nicht für den Möbelbau geeignet?

Doch sehr wohl sind sie das. Teilweise haben sie sehr interessante Farbgebungen und Maserungen, die überaus attraktiv in Szene gesetzt werden können. Doch auch der Einsatz von MDF- oder OSB-Platten kann im heimischen Möbelbau ohne einen Bohrer durchaus schief gehen. Was die gleiche Folge, hat aber sehr unterschiedliche Ursachen, die wir euch nun erklären wollen.

Hartes Holz und geschichtete Verbundmaterialien

Wer einmal in den Wald geht, wird sehr schnell sehen, dass hier viele verschiedene Bäume stehen. Nimm dir einmal die Zeit und beobachte sie genauer. Bei Wind wiegen sich einige mehr auf als andere. Und auch sieht eine Kiefer in der Struktur vollkommen anders aus als eine Eiche. Es dürfte also wenige überraschen, dass die spätere Verarbeitung auch andere Herausforderungen mit sich bringt. Besonders harte Hölzer sollten vor der Verschraubung unbedingt vorgebohrt werden. Was passiert, wenn du das nicht machst? Durch die Verdrängung spaltet das dichte Holz und du bekommst einen sehr unschönen Riss durch das gesamte Material. Optik und Belastbarkeit sind sofort dahin und du kannst es nochmals machen.

Ähnliches gilt bei Verbundmaterialien wie OSB oder MDF. Hierbei handelt es sich verklebte Holzspäne unterschiedlicher Größe, die in verschiedenen Lagen und Richtungen aufgebracht wurden. Bei der OSB-Platte wird so einen äußerst flexibler Werkstoff gewonnen, der jedoch als „hart“ gilt. Der hohe Anteil des Klebers ist zwar förderlich für die Flexibilität, gleichzeitig aber auch äußerst schlecht für eindringende Gegenstände. Eine Schraube kann hier vor allem in den Randbereichen einer Platte für Absplitterungen oder sogar zu Brüchen führen.

Richtig bohren ist einfach vorzubereiten

Bei der Montage von OSB-Platten zu einem Möbel ist das Bohren fast nicht wegzudenken. Insofern solltest du dich entsprechend vorbereiten. Was brauchst du dazu? Eigentlich fast nichts. Es sind lediglich folgende Materialien notwendig:

  •         Bleistift
  •         Zentimetermaß
  •         Holzbohrer-Set & Bohrmaschine
  •         Die Überzeugung, das Richtige zu tun

Und natürlich eine Idee oder eine Vorlage, was du bauen möchtest. Wer hier über eine Vorlage verfügt sollte natürlich die Maße von dort übernehmen. Das hat schließlich schon mal jemand gemacht und für gut befunden. Natürlich ist es aber auch genau legitim sich eigene Möbel zu bauen, die beispielsweise auf bestimmte räumliche Gegebenheiten angepasst werden (müssen). Hier ist es grundlegend wichtig ein Bild vom fertigen Möbel im Kopf zu haben. Wer sich das nicht vorstellen kann, sollte es „anhalten“ und so seinen inneren Vorstellungsmöglichkeiten auf die Sprünge helfen.

Wichtig beim Holz bohren: Es entsteht ein Loch! Während du bei einer Betonwand einfach das Loch verdecken kannst, funktioniert das bei Holz zu sehr selten. Denn du hast ein Loch in einem sichtbaren Bereich. Überlege dir also vorher genau, ob das Loch dort richtig ist und ob du mit dem Bohren beginnen kannst. Also, Maß nehmen, anzeichnen, prüfen und dann bohren!

Anlegen und Feuer frei!

Nein, nicht wörtlich. Aber beim Bohren hilft dir eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. Wenn du Holz bohren möchtest, solltest du dafür sorgen, dass das Holz gut befestigt ist. Die Drehzahl des Bohrers würde es ansonsten zum Drehen bringen oder durch den Raum katapultieren. Gerade beim  Vorbohren eines Loches solltest du darauf achten, dass unter der Platte nichts mehr. Mach also nicht mehr als ein Loch und sorge dafür, dass der Bohrer danach kein weiteres Material bekommt.

Je nachdem ob du im Wohnzimmer auf dem Boden arbeitest und über eine Hobbyraum verfügst solltest du wissen, dass Bohren eine dreckige Angelegenheit ist. Schließlich schneidest du ja Material aus deiner Platte und das wird entsprechend herunter fallen. Sorge also dafür, dass nicht Edles verdreckt oder verunreinigt oder gar beschädigt wird.

Vor dem Bohren solltest du die Bohrmaschine in die Steckdose einstecken und eine „Trockenübung“ machen. Dabei geht es nur darum das weder du noch andere Personen sich erschrecken können vom Lärm der Maschine. Dann geht es los. Du musst den Bohrer in einem 90-Grad-Winkel gegen die Platte halten. Dabei ist es nicht verkehrt einen gewissen Druck auszuüben. Das hilft dabei den richtigen, vorher markierten, Punkt zu halten und das Loch an die richtige Stelle zu bohren. Über so lange Druck aus, wie das Loch noch nicht fertig ist. Wenn du nur eine bestimmte Tiefe möchtest, solltest du diese vorher am Bohrkopf beispielsweise mit Klebeband markieren. Ist sie erreicht und der Bohrkopf durch, sofort den Druck lösen.

Achtung bei dichtem Material

Je fester das Material ist mit dem du arbeitest, desto größer ist die Gefahr einer Beschädigung. Bei OSB-Platten oder besonders hartem Holz tust du gut daran das Loch erst mit einem kleineren Durchmesser vorzubohren. Wenn du beispielsweise ein 8er Loch bohren sollst laut Anleitung oder deiner Planung, beginne mit einem 4er Bohraufsatz. So sorgst du für weniger „Widerstand“ beim Bohren und somit auch weniger Kraft die auf das Material wirkt. Mit dem 6er und dem 8er kannst du dann nachbohren und vermeidest so, dass an der Austrittsstelle Späne ausreißen.

Gleiches gilt übrigens für den ausgeübten Druck. Natürlich funktioniert der Bohrer nur dann wirklich, wenn du Druck ausübst. Wenn du ihn ein wenig drosselst und den Bohrer langsamer durch das Material führst, bekommt der Bohrkopf nur weniger Material pro Zeiteinheit. Folglich kann er auch hier weniger Schaden anrichten, wenngleich auch alles natürlich länger dauert und langsamer voran geht.

Entgraten, Aussaugen und los geht’s mit der Möbel-Montage

Ist das Loch im Holz gebohrt kannst du nun mit einer Feile oder Schleifpapier die Eintritts- und Austrittsstelle ein wenig nacharbeiten. Nicht selten splittert es hier doch ein wenig. Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit bei der Austrittsstelle aber weitaus höher. Insofern solltest du immer vom sichtbaren in den nicht-sichtbaren Bereich der späteren Verwendung der Platte bohren.

Nach dem Nacharbeiten noch ein wenig Aussaugen und die Holzspäne entfernen. Ebenfalls solltest du das Loch einmal gegen den Konterpart richten und schauen, ob alles passt. Nichts wäre ärgerlicher wenn du erst beim Einschrauben der Schraube feststellst, dass das Loch falsch gebohrt ist. Insofern lieber einmal mehr prüfen! Und dann steht der Montage deines DIY-Möbels als Selberbauer auch nichts mehr im Wege.

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